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Nov 04

Schwarzwald Marathon – Lars Schweizer

Die letzten Wochen waren etwas verzwickt. Die Vorbereitung auf den Schwarzwald Marathon 2015 war alles andere als optimal. Nach dem Transalpine hatte sich eine Art Herbstblues eingestellt und ich hatte sowohl Training als auch Ernährung deutlich schleifen gelassen und das ein oder andere Kilo in der Wintervorbereitung mehr auf die Rippen gebunkert.

Um aus diesem Blues rauszukommen und weil es auch einfach Pflicht ist, wenn so eine Veranstaltung direkt in der Nachbarschaft stattfindet, war ich aber fest entschlossen am Schwarzwald Marathon teilzunehmen. In den letzten Wochen hatte ich mich hierzu extra mit einem kleinen Trainingsplan vorbereitet, welcher mich aber eher zur 1:24:05 in Karlsruhe pushte und mich danach ziemlich kläglich wieder im Stich ließ. Der Kopf war einfach leer und müde nach dieser Saison und der Körper nahm diese Auszeit gerne entgegen und versuchte allen Verzicht der letzten Monate in wenigen Tagen nachzuholen. Ein Burger hier, Kebab da und dazu am besten noch 2-5 Bier. Dieses Gefühl kennt vermutlich jeder Sportler nach einer harten Saison. Aber genug gejammert. Gedanklich total unfit meldete ich mich also am Samstag beim Schwarzwald Marathon nach. 45€ bei eigenem Timing Chip. Dafür ein Paar Falke Laufsocken anstatt einem mit Werbung überfüllten Startbeutel finde ich ziemlich fair. Das tolle ist, dass man die Socken sowohl beim Marathon, Halbmarathon wie auch 10km Lauf bekommt und das schon seit etlichen Jahren.

Melanie startete am Samstag erfolgreich beim 10 km Lauf und ich durfte auch mal als Supporter am Start sein. Den Start anschauen und dann mit dem Auto schnell zu Kilometer 6 dort die Läufer wieder abfangen. Sehr beeindruckend mit welcher Kraft der spätere Sieger hier den Berg hochkommt. Allerdings war es hier oben so als Zuschauer auch saukalt. Als Melanie vorbei war, schnell wieder ins Auto und ab zum Ziel. Sie finishte nach tollen 1:12:21 Stunden.

Am Sonntag morgen stand dann mein Racepart auf dem Programm. Die letzen Wochen hatte ich heimlich auf eine sub 3 Stunden Zeit geschielt. Nach meinen 2:57 in Paris auf einer sehr flachen Strecke nun bei beinahe 500 positiven Höhenmetern ein sehr gewagtes Unterfangen. So wirklich dran geglaubt habe ich an diesem Morgen selbst nicht.
Punkt 9.30 Uhr stehe ich also in der 2. Reihe, als der Startschuss uns 350 Marathonis und Staffelläufer auf die 42km schickt.

Start Marathon

Start Marathon

Die Strecke ist die ersten 4 Kilometer aus Bräunlingen heraus noch eben, bevor sie dann bis km 24 immer langsam aber stetig ansteigt. Der zweite Teil geht dann wieder bergab. Ich will heute eher taktisch laufen und die Zeit auf der zweiten Hälfte wieder gut machen.

Durch Bräunlingen Foto by Südkurier

Durch Bräunlingen
Foto by Südkurier

So schießen wir also los durch die Zähringerstadt Bräunlingen. Kurz hinter der Spitze Uwe Müller und Rainer Sprich passiere ich den ersten Kilometer nach 3:47 Minuten. Natürlich völlig irre so ein Tempo auf den Marathon zu laufen. Mein Ziel die ersten 4 Kilometer einiges an Zeit vorlegen und es dann danach am Berg wieder einzubüßen. Mit 3:57, 4:00 und 4:03 komme ich an der Steigung an. Immer noch mit Sichtkontakt auf die Spitze. Ich liege an 8. Position gesamt. Merke aber schon deutlich, dass ich nur durch den Mund richtig Luft bekomme und mir das nun am Berg zum Verhängnis werden kann.

Den ersten Teil schlucken die Beine noch ganz gut und ich schaffe Kilometer 5 im sub 3 Tempo. Nun geht es aber in den Wald hinein, welcher uns erst bei Kilometer 11 wieder für kurze Zeit auspucken wird. Die Strecke steigt immer weiter an und plötzlich ist bei mir einfach die Luft raus. Ich fühle mich langsam, schwer und kraftlos. Ich muss die Gruppe mit Marcel und Ralf ziehen lassen und kurze Zeit später überholt mich Niklas, welcher am Ende sensationell 3. werden sollte. Mit 4:24, 4:23, 4:20, 4:30 und 4:26 verliere ich wertvolle Sekunden, fühle mich aber gleichzeitig keinesfalls in der Lage irgendwas dagegen tun zu können. Ich versuche mich mit dem schönen Herbstwald um mich herum abzulenken. Das gelingt mir ein bisschen und der Kopf stellt sich auf eine 3:10 Stunden Zeit ein.

Bei Kilometer 10 gehe ich mit einer 42:09 Stunden durch. Ich liege noch genau 30 Sekunden vor der sub 3 Stunden Marke. Ein bisschen muntert mich das auf, viel mehr hilft aber, dass bei Kilometer 11,5 als uns der Wald wieder frei gibt Melanie steht und mich anfeuert. Eigentlich wollte ich ihr hier sagen wie schlecht es läuft und ich schon raus bin eigentlich, aber ihr Support gibt mir Kraft und ich ziehe weiter. Bis zur Marahonweiche schaffe ich wieder sub 3 Tempo. Nun biegen wir auf die „Lange Planie“ ab und die fiese Steigung beginnt wieder. Ich büße so viel Zeit ein, dass sich die sub 3 nun endgültig erledigt hat. Mit 4:46, 4:47, 4:40 und 4:37 erreiche ich den ersten „Gipfel“ der Strecke. Nun folgten 3 gut laufbare Kilometer. Zu beginn steht Thomas und teilt mir mit, dass ich aktuell 14. bin und super in der Zeit liege. Das motiviert mich ein bisschen und ich kann auf dem Gefälle nach Oberbränd und den nachfolgenden Kilometern wieder 4:18, 4:10 und 4:00 pro Kilometer laufen. Allein zu merken, dass die Beine das noch können macht Mut. Die Halbmarathon Marke gehe ich mit 1:31 Stunden durch. Theoretisch nun einfach eine schnellere 2. Hälfte und die Sub 3 Stunden wäre noch drin.

Leider geht es noch nicht direkt hinab sondern erst noch einen Kilometer bergauf. Mit 4:34 lade ich mir hier noch mehr Zeit auf die „Rauslaufuhr“. Nach passieren der Zeitmatte bei km 25 nach 1:48:44 ist dann der Startschuss gegeben. Ich sammle direkt Marcel und Ralf ein. Die Beine machen auf und ich fliege mit 4:09 und 4:07 durch den Herbstwald. So müsste es nun bis ins Ziel halten, dass die 3 Stunden noch realistisch wären. Nun folgt aber der fiese Part der 2. Hälfte. Eine langgezogene S-Kurve die leicht ansteigt. Der Kilometer schlägt mir eine 4:40 ins Gesicht. Das war es dann komplett mit der 3:00 Stunden. Dem Kopf ist das aber ziemlich egal. Ich habe mich in einen Rausch gelaufen und ein riesen Runners High. Vor mir taucht plötzlich ein gehender Marathonläufer auf, aber er lässt sich nicht mehr motivieren weiter zu rennen. Dann weiter vorne ein weiterer Läufer, welcher sich von einem Rad begleiten lässt. Nicht so ganz legal das ganze und deshalb ein Ansporn für mich ihn einzuholen. In Unterbränd habe ich ihn. Die Stimmung ist hier fantastisch. Hunderte Menschen am Rand und Thomas gibt mir das Signal auf dem 10. Rang zu liegen. Das beflügelt mich nochmals. Die letzten 10 Kilometer liefen in knapp 43 Minuten.

Ab hier sind es noch 7 Kilometer bis nach Bräunlingen davon 3 bergab entlang des Kirnbergsee. Eigentlich ein einfach zu laufendes Stück, aber ich merke wie die Waden langsam das zucken anfangen. Dieses Gefühl hatte ich schon länger nicht mehr. Leider kein gutes Zeichen. Ich weiß es wird sich ein Krampf einstellen. Die Frage ist nur wann er eintrifft. Die 3 Stunden sind sowieso weg und so versuche ich mit ein bisschen Tempo drosseln den Krampf hinauszuzögern. Ich liege auf 9. Position und will einfach keinen Platz mehr einbüßen. Kurz vor Waldhausen kommen wir wieder aus dem Wald und können bereits den Kirchturm non Bräunlingen sehen. Es folgt das härteste Stück des Marathons. Den Kirchturm immer vor Augen geht es die letzten 3 Kilometer nach Bräunlingen zurück. Zum Glück steht Thomas hier nochmal und gibt mir einen ordentlichen Motivationsschub. Ein Blick nach hinten lässt mich erahnen eine gute Minute auf meinen nächsten Verfolger Vorsprung zu haben. Nicht gerade viel aber sollte reichen.

Der Kirchturm kommt zum Glück immer schneller näher, doch leider werden auch die Zuckungen in den Waden immer mehr. Das ein oder andere Mal muss ich einen Zwischenschritt einlegen um einem totalen Krampf zu entgehen. Dann endlich das ersehnte 41 Kilometer Schild. Noch 1,2 Kilometer. Das sollte doch irgendwie zu schaffen sein. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich die sub 3:05 ebenfalls sicher habe. Hinter mir kommt auch niemand mehr und so kann ich den letzten Kilometer durch Bräunlingen sogar noch etwas genießen.

Als ich den Sprecher schon höre nehmen auch die Massen am Rand wieder zu und feuern die Läufer gnadenlos bis in den Zielkanal an. Noch 200m. Ich balle die Faust und freue mich bereits. Noch 50m. Ich will die Arme hoch reißen und mich klatschend bei der Zuschauermenge bedanken. Doch leider komme ich noch soweit. ZACK! Da ist der Krampf. Die linke Wade macht komplett dicht. Wie angeschossen knicke ich links weg und muss aufpassen nicht zu stürzen. Halb humpelnd rette ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht noch ins Ziel. Das war so nicht geplant. Ich muss erstmal stehenbleiben und den Krampf heraus bekommen, bevor ich die Medaille in Empfang nehmen kann.

Kampf bis zum letzten Meter

Kampf bis zum letzten Meter

Die Uhr blieb bei 3:03:02 Stunden stehen. Eine grandiose Zeit für diese Strecke. So ganz glauben kann ich es immer noch nicht. Die Sub 3 Stunden waren sowieso mehr ein Traum als wirklich realistisch. Gesamt habe ich den 9. Platz erlaufen und den 3. in der Hauptklasse. Direkt 2 Plätze hinter mir finisht Matthias und wir können zusammen mit Rainers mega Zeit von 2:41 und den Mannschaftssieg erkämpfen. Für den Lauftreff Pfohren ist dies das 3. Mal in Folge und so gehört der Pokal nun endgültig dem Verein. Ein toller Erfolg!

Stolz im Ziel

Stolz im Ziel

Auch Niklas hat als Gesamt 3. mit einer 2:51 mehr als überrascht und eine persönliche Bestzeit auf dieser Strecke abgeliefert. Er ist mehr als happy im Ziel. Zusammen mit den anderen erfolgreichen Finishern des Lauftreffs feiern wir die Siegerehrung in der neu renovierten Stadthalle von Bräunlingen. Ein durchaus erfolgreiches Wochenende für den Lauftreff mit insgesamt 37 Teilnehmern.

Podest MHK Marathon

Podest MHK Marathon

Teamsieg!

Teamsieg!

Ich bin mit meiner Leistung mega zufrieden und auch in diesem unfitten körperlichen Zustand ist es ein tolles Gefühl, wenn man sich auf die Grundlagen der Saison und einen starken Kopf verlassen kann, welcher einen immer weiter antreibt. Mit etwas mehr Disziplin und ohne Vorbelastung des Transalpine und des Karlsruhe Halbmarathons wäre eine 2:59:59 Stunden durchaus realistisch gewesen. Vielleicht dann nächstes Jahr.

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